Anlassfarben
Anlassfarben sind die dünnen, farbigen Oxidschichten, die auf blankem Stahl beim Erwärmen entstehen. Werkzeugmacher lesen daran die Anlasstemperatur ab — von Blassgelb bei 200 °C über Violett bis Grau bei rund 400 °C.
Wenn du blanken Stahl erwärmst, bildet sich an der Oberfläche eine hauchdünne Oxidschicht. Sie ist so dünn, dass das Licht daran bricht wie an einer Seifenblase — und je nach Schichtdicke schimmert sie in einer anderen Farbe. Das sind die Anlassfarben, und sie sind ein prima Werkzeug: Die Schichtdicke hängt direkt von der Temperatur ab. Wer ein blankes Werkzeug langsam erwärmt, sieht die Farbe über die Fläche wandern und kann die Anlasstemperatur einfach ablesen.
Anlassfarben
So liest du die Skala: Blassgelb bei rund 200 °C bedeutet hohe Härte (Messer, Stempel, Schneiden). Strohgelb bis Goldgelb um 220–240 °C ist der Klassiker für Schneidwerkzeuge. Violett und Kornblumenblau bei 300–320 °C bedeuten schon spürbar weniger Härte, dafür mehr Zähigkeit — der Bereich für Federn und zähe Bauteile. Ab Graublau und Grau (über 350 °C) ist der Stahl weich angelassen.
Zwei Stolperfallen: Erstens funktioniert das nur auf blanker, sauberer Fläche — auf oder Rost siehst du keine Anlassfarben. Zweitens nicht verwechseln: Die Anlauffarben auf einer Edelstahl-Schweißnaht sind etwas anderes — dort zeigt die Verfärbung, wie stark die Naht oxidiert ist und wie viel verloren ging.