Bewertungsgruppe
Die Bewertungsgruppe ist eine genormte Einteilung nach ISO 5817. Sie legt fest, wie groß Schweißnahtfehler sein dürfen, ohne dass die Naht versagt. Je höher die Beanspruchung des Bauteils, desto strenger ist die Bewertungsgruppe.
Physikalisch-chemischer Wirkmechanismus
Die Bewertungsgruppe verändert keinen Werkstoff. Sie ist ein Regelwerk. Sie ordnet jeder Naht eine zulässige Fehlergröße zu. Diese Fehler wirken wie Kerben. Große Kerben bündeln die Spannung und senken die Tragfähigkeit.
Metallurgische Relevanz & Risiken beim Schweißen
Wählt der Schweißer eine zu milde Bewertungsgruppe, darf die Naht zu große Poren, Bindefehler oder Einbrandkerben haben. Diese Fehler reduzieren den tragenden Querschnitt. Bei dynamischer Last starten Risse an diesen Kerben. Bei statischer Last kann die Naht spröde brechen. Die Bewertungsgruppe legt keine Härte oder Festigkeit fest. Die Härte entsteht durch Abkühlgeschwindigkeit und Legierung.
Werkstattpraxis & Handlungsanweisungen
ISO 5817 definiert drei Bewertungsgruppen: B (höchste Anforderung), C, D (niedrigste Anforderung). Für dynamisch belastete Bauteile oder Druckbehälter fordert die Norm B oder C. Für statisch belastete Bauteile reicht oft D. Die geforderte Bewertungsgruppe steht in der Zeichnung oder Schweißanweisung. Beispiel Porengrenze: In Gruppe B darf eine einzelne Pore maximal 0,1 × Blechdicke groß sein, höchstens 3 mm. In Gruppe D sind es 0,3 × Blechdicke, höchstens 5 mm. Fehler über dem Grenzwert müssen ausgeschliffen und neu geschweißt werden.