Prüfanweisung
Eine Prüfanweisung legt verbindlich fest, wie eine Schweißnaht geprüft wird: Prüfverfahren, Geräteeinstellungen, Prüfumfang und zulässige Grenzwerte. Ohne klare Vorgaben prüft jeder Prüfer anders – das führt zu uneinheitlichen Ergebnissen und übersehenen Fehlern. Sie sichert reproduzierbare Prüfaussagen und verhindert teure Nacharbeit oder Bauteilversagen.
Physikalisch-chemischer Wirkmechanismus
Die Prüfanweisung legt fest, mit welcher physikalischen Methode die Schweißnaht untersucht wird: Ultraschallwellen werden eingekoppelt, Röntgenstrahlung durchstrahlt das Bauteil oder Farbeindringmittel dringen in Oberflächenrisse ein. Sie bestimmt die exakten Parameter wie Frequenz, Spannung, Eindringzeit und Auswertung der Signale. Nur bei konstanten Prüfbedingungen lassen sich die Messwerte dem tatsächlichen Fehlerzustand zuverlässig zuordnen.
Metallurgische Relevanz & Risiken beim Schweißen
Eine fehlende oder falsche Prüfanweisung führt zu zwei Risiken: Kritische Fehler wie Risse, Bindefehler oder Poren werden nicht erkannt, weil das falsche Verfahren gewählt oder der Prüfbereich nicht vollständig erfasst wird. Oder das Verfahren ist zu empfindlich eingestellt – dann zeigen sich harmlose Anzeigen, die zu unnötigen Reparaturschweißungen führen. Beides kostet Zeit, Geld und kann die Bauteilfestigkeit schwächen.
Werkstattpraxis & Handlungsanweisungen
Vor jeder Prüfung muss die gültige Prüfanweisung am Arbeitsplatz vorliegen und vom Prüfer verstanden sein. Sie enthält konkrete Vorgaben: Prüfverfahren nach Norm (z. B. Sichtprüfung nach ISO 17637, Ultraschall nach ISO 17640), Kalibrierzustand der Geräte, Prüfumfang in Prozent, Bewertungsgruppe nach ISO 5817 und die erforderliche Oberflächenvorbereitung. Bei Abweichungen – etwa falsche Oberflächenrauheit oder zu geringe Beleuchtungsstärke – muss die Prüfung gestoppt und korrigiert werden.