Rissfortpflanzungsgeschwindigkeit
Die Wegstrecke, um die ein Riss pro Lastwechsel wächst. Sie hilft abzuschätzen, wie schnell sich ein Anriss unter dynamischer Last bis zum Versagen ausbreitet.
Ein Riss wirkt wie eine Kerbe: An der Spitze staut sich die Spannung, und wenn die das Material nicht mehr aushält, bricht es schlagartig auf. Die gespeicherte Energie treibt den Riss dann weiter. In zähem Material bremst die plastische Verformung den Riss, in sprödem Gefüge läuft er dagegen fast ungebremst durch.
Beim Schweißen ist die Wärmeeinflusszone das Problem: Dort können sich harte, spröde Gefüge bilden, die kaum Energie aufnehmen. Dazu kommen Eigenspannungen und manchmal Wasserstoff – dann reißt das Teil auch gerne mal verzögert. Ob das Gefüge böse wird, hängt vor allem von der Abkühlgeschwindigkeit ab.
In der Praxis heißt das: Vorwärmen, damit es nicht zu schnell abkühlt, und nach dem Schweißen langsam runterkühlen lassen, notfalls spannungsarm glühen. Scharfe Übergänge an der Naht sind Gift, weil sie wie Kerben wirken – also sauber ausschleifen. Wenn ein Riss drin ist, komplett rausfräsen und neu schweißen, und bei kritischen Teilen mit Farbe oder Ultraschall prüfen.