Schleppungsneigung
Schleppungsneigung ist der rückwärtige Versatz der Schneidfront am unteren Rand des Werkstücks im Vergleich zum oberen Eintrittspunkt. Dies entsteht durch geschwindigkeitsabhängige Reibungsverluste im tieferen Materialbereich.
Physikalisch-chemischer Wirkmechanismus
Die Schleppungsneigung tritt auf, wenn der Schneidstrahl während des Bohrens oder Fräsen in einem tieferen Materialbereich eine höhere Geschwindigkeit erreicht als im oberen Bereich. Dies führt zu geschwindigkeitsabhängigen Reibungsverlusten, die den Schneidstrahl zurückziehen und einen rückwärtigen Versatz der Schneidfront verursachen.
Metallurgische Relevanz & Risiken beim Schweißen
Die Schleppungsneigung kann zu ungleichmäßiger Materialentfernung führen, was zu unvollständigem Bohren oder Fräsen und möglichen Werkstoffverschwendung führt. In der Schweißfachrichtung kann sie zu ungleichmäßigem Heißverteilung und damit zu unterschiedlichem Gefüge und mechanischen Eigenschaften in verschiedenen Bereichen der Schweißnaht führen, was Risiken für die Zähigkeit und das Verhalten unter Last birgt.
Werkstattpraxis & Handlungsanweisungen
Um die Schleppungsneigung zu minimieren, sollte bei Bohren oder Fräsen eine konstante Geschwindigkeit eingehalten werden. Bei tieferen Bohrungen kann es hilfreich sein, den Bohrspindelzylinder oder -kolben zu vergrößern, um die Geschwindigkeit im tieferen Bereich zu reduzieren. Bei Schweißen ist es wichtig, eine gleichmäßige Heißverteilung durch geeignete Schweißparametrisierung und korrekte Abkühlung sicherzustellen.